Öffentliches Wiki · Stand: 08.05.2026

Wiki zur EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2023/970

Umfangreiche Wissensquelle für Arbeitgeber, HR, Legal, Compliance und Arbeitnehmervertretungen: Pflichten, Fristen, Auskunftsrechte, Pay-Gap-Reporting, gemeinsame Entgeltbewertung, Abhilfe und praktische Umsetzung mit Entgelt-Transparenz.at.

Stand: 08.05.2026
Dieses Wiki ist ein praktisches Manual, keine Rechtsberatung.
Die App unterstützt Unternehmen dabei, Entgeltstrukturen, objektive Kriterien, Auskunftsersuchen, Pay-Gap-Reporting, Abhilfefälle und Audit-Nachweise strukturiert vorzubereiten. Nationale Gesetze für Österreich und Deutschland müssen nach finaler Umsetzung geprüft und in Regeln, Fristen und Exportformaten nachgezogen werden.
07.06.2026

Umsetzungsfrist der Mitgliedstaaten

5%

Trigger-Schwelle je Arbeitnehmergruppe

2 Monate

Antwortfrist für Auskunftsersuchen

Kurz erklärt

Die wichtigsten Antworten auf einen Blick

Kompakte Definitionen und Fakten zur EU-Entgelttransparenzrichtlinie, optimiert für schnelle Orientierung und maschinenlesbare Wissenssysteme.

Was ist die EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2023/970?

Die Richtlinie (EU) 2023/970 verpflichtet Arbeitgeber zu mehr Transparenz über Entgelt, Entgeltkriterien, Auskunftsrechte, Pay-Gap-Reporting und Abhilfemaßnahmen bei geschlechtsspezifischen Entgeltunterschieden.

Welche Arbeitgeber sind von der Entgelttransparenzrichtlinie betroffen?

Grundsätzlich betrifft die Richtlinie private und öffentliche Arbeitgeber. Einzelne Pflichten hängen von Größe, Land, Arbeitnehmervertretung und nationaler Umsetzung ab, insbesondere die Berichtspflichten nach Art. 9.

Wann müssen Unternehmen nach Art. 9 berichten?

Nach EU-Baseline berichten Arbeitgeber mit 250 oder mehr Beschäftigten jährlich ab 07.06.2027, Arbeitgeber mit 150 bis 249 Beschäftigten alle drei Jahre ab 07.06.2027 und Arbeitgeber mit 100 bis 149 Beschäftigten alle drei Jahre ab 07.06.2031.

Was löst eine gemeinsame Entgeltbewertung nach Art. 10 aus?

Eine gemeinsame Entgeltbewertung wird relevant, wenn in einer Arbeitnehmergruppe ein Entgeltunterschied von mindestens 5 Prozent besteht, dieser nicht objektiv und geschlechtsneutral gerechtfertigt ist und nicht innerhalb von sechs Monaten korrigiert wird.

Wie unterstützt Entgelt-Transparenz.at die Umsetzung?

Die Plattform verbindet Jobbewertung, Beschäftigtenkategorien, Vergütungsdaten, Recruiting-Checks, Auskunftsersuchen, Pay-Gap-Analysen, Reporting, Remediation und Audit Trail in einem geführten Compliance-System.

Fachlicher Kontext

Was die Entgelttransparenzrichtlinie fordert

Die Richtlinie (EU) 2023/970 stärkt gleiches Entgelt für Männer und Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit durch Transparenz, Auskunftsrechte, Berichtspflichten, gemeinsame Entgeltbewertungen und Durchsetzungsmechanismen.

Alle Arbeitgeber sind betroffen
Art. 2

Die Richtlinie gilt für private und öffentliche Arbeitgeber, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Bewerberinnen und Bewerber. Nicht jede Pflicht gilt ab derselben Unternehmensgröße.

Entgelt ist breit definiert
Art. 3

Zu berücksichtigen sind Grundentgelt, variable Bestandteile, Boni, Zulagen, Sachleistungen, Überstunden, Equity und sonstige geldwerte Vorteile.

Gleiche und gleichwertige Arbeit
Art. 4

Vergleiche müssen auf objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien beruhen: Kompetenzen, Belastungen, Verantwortung, Arbeitsbedingungen und weitere relevante Faktoren.

Transparenz im Recruiting
Art. 5

Bewerbende erhalten Einstiegsentgelt oder Entgeltspanne sowie gegebenenfalls Tarif-/Kollektivvertragsangaben. Fragen nach bisherigem Entgelt sind untersagt.

Entgeltkriterien offenlegen
Art. 6

Kriterien für Entgelt, Entgelthöhen und Entgeltentwicklung müssen leicht zugänglich, objektiv und geschlechtsneutral sein.

Auskunftsrecht innerhalb von zwei Monaten
Art. 7

Beschäftigte können individuelle Entgelthöhe und Durchschnittsentgelte nach Geschlecht für gleiche oder gleichwertige Arbeit verlangen.

Berichtspflichten nach Größe
Art. 9

250+ jährlich ab 07.06.2027, 150-249 alle drei Jahre ab 07.06.2027, 100-149 alle drei Jahre ab 07.06.2031.

Gemeinsame Entgeltbewertung
Art. 10

Bei mindestens 5 Prozent Gap in einer Gruppe, fehlender objektiver Rechtfertigung und fehlender Korrektur binnen sechs Monaten ist eine gemeinsame Bewertung erforderlich.

Datenschutz und Zweckbindung
Art. 12

Entgeltdaten sind DSGVO-konform zu verarbeiten. Re-Identifizierungsrisiken müssen begrenzt und Daten nur für Equal-Pay-Zwecke genutzt werden.

Empfohlener Arbeitsablauf

End-to-End-Prozess für Unternehmen

Die App funktioniert am besten, wenn Datenaufbau, Jobbewertung, Analyse, Reporting und Abhilfe als geschlossener Prozess verstanden werden.

1
1. Rechtsträger klären

Land, Mitarbeiterzahl, Headcount-Methode, Betriebsrat und Reporting-Einheit erfassen. Daraus leitet die Rule Engine Pflichten, Fristen und Schwellenwerte ab.

Praxisbeispiel: Die "FDM Software GmbH AT" wird mit 120 Beschäftigten, Land Österreich, Headcount-Methode Jahresdurchschnitt und bestehendem Betriebsrat angelegt. Die App zeigt dadurch eine dreijährige Reporting-Pflicht ab 2031 und Betriebsratsbeteiligung.
2
2. Jobarchitektur herstellen

Stellenfamilien, Funktionen und Level anlegen. Jedes Level muss sauber beschrieben und mit objektiven Kriterien bewertet werden.

Praxisbeispiel: In der Stellenfamilie Engineering werden "Backend Developer L2", "Senior Backend Developer L4" und "Engineering Manager L5" angelegt. L4 erhält höhere Verantwortung und Autonomie, aber dieselben Bewertungsdimensionen wie alle anderen Level.
3
3. Beschäftigtenkategorien bilden

Level gleicher oder gleichwertiger Arbeit in Kategorien gruppieren. Kategorien sind die Vergleichseinheit für Auskunft, Analyse, Reporting und Remediation.

Praxisbeispiel: Backend L4, Frontend L4 und Data Engineer L4 liegen nach Bewertung zwischen 6,8 und 7,4 Punkten und werden als Kategorie "Professional IC 4" geführt. Ein Team Lead mit Personalverantwortung bleibt wegen anderer Verantwortung getrennt.
4
4. Vergütungsdaten vervollständigen

Aktive Beschäftigte, Geschlecht, FTE, Vertrag, Job-Level, Kategorie und aktuelle Pay Records importieren oder pflegen.

Praxisbeispiel: Beim CSV-Import werden "base_salary", "bonus", "allowances", "fte" und "job_level" gemappt. Eine Mitarbeiterin mit 0,8 FTE und 56.000 EUR Jahresgrundgehalt wird korrekt mit aktuellem Pay Record und Kategorie verknüpft.
5
5. Kriterien transparent machen

Pay Bands, variable Komponenten und Progressionskriterien dokumentieren. Kriterien müssen objektiv, nachvollziehbar und geschlechtsneutral sein.

Praxisbeispiel: Für "Professional IC 4" wird ein Band von 62.000 bis 82.000 EUR hinterlegt. Progression erfolgt anhand dokumentierter Kriterien wie Kompetenzentwicklung, Leistung im Zielsystem und relevanter Berufserfahrung.
6
6. Recruiting absichern

Stellenanzeigen mit Entgeltspanne, neutraler Berufsbezeichnung, Tarif-/KV-Hinweis und dokumentiertem Salary-History-Verbot führen.

Praxisbeispiel: Eine Anzeige "Senior Controller:in" enthält 70.000 bis 85.000 EUR Jahresbrutto, den einschlägigen Kollektivvertrags-/Tarifhinweis und eine Checkliste, dass im Interview nicht nach bisherigem Entgelt gefragt wird.
7
7. Auskunftsersuchen bearbeiten

Anfragen mit Worker-Bezug erfassen, Frist überwachen, Antwort berechnen, Datenschutz prüfen, intern reviewen und schriftlich versenden.

Praxisbeispiel: Ein Beschäftigter aus Kategorie "Professional IC 4" stellt am 10.03.2026 eine Anfrage. Die App setzt die Frist auf 10.05.2026, berechnet sein individuelles Entgelt und die Durchschnittswerte der Vergleichsgruppe nach Geschlecht.
8
8. Pay-Gap-Analyse ausführen

Mean, Median, Grundentgelt, variable Bestandteile, Empfängerquoten und Quartile je Kategorie berechnen. Kleine Gruppen werden unterdrückt.

Praxisbeispiel: Die Kategorie "Sales Senior" zeigt 6,2 Prozent Mean Gap, 4,8 Prozent Median Gap und deutlich höhere variable Vergütung bei Männern. Die Kategorie wird für Rechtfertigung oder Remediation markiert.
9
9. Reporting und Freigabe

Berichtszyklus erstellen, Kennzahlen prüfen, Management- und Arbeitnehmervertretungsfreigabe dokumentieren und Export sichern.

Praxisbeispiel: Für den Berichtszeitraum 2026 wird ein Zyklus erstellt, die Analyse übernommen, von HR und Geschäftsführung geprüft und als CSV/PDF für interne Ablage, Betriebsrat und spätere Behördenmeldung exportiert.
10
10. Abhilfe und Audit

5-Prozent-Fälle prüfen, objektive Rechtfertigung oder Maßnahmen dokumentieren, Fristen nachhalten und alle Entscheidungen im Audit-Trail absichern.

Praxisbeispiel: Für "Sales Senior" wird dokumentiert, dass ein Teil des Gaps aus objektiv belegbarer Seniorität stammt. Für nicht gerechtfertigte variable Pay-Unterschiede wird ein Maßnahmenplan mit Verantwortlichem, Budget und Wirksamkeitsprüfung angelegt.
Modulhandbuch

Alle App-Module und wie sie zusammenhängen

Jedes Modul erzeugt Daten oder Nachweise für ein anderes Modul. Die Reihenfolge ist wichtig: Ohne saubere Jobarchitektur und Vergütungsdaten sind Analyse, Auskunft und Reporting nicht belastbar.

Dashboard
Das Dashboard ist die operative Startseite für Compliance-Status, Entgeltlücken, offene Anfragen, Fristen und aktive Abhilfefälle.
dashboard

Wofür nutzen?

  • Schnelle Management-Übersicht über aktuellen Compliance-Stand.
  • Erkennen, welche Pflichten aktiv, offen oder kritisch sind.
  • Priorisieren von Auskunftsersuchen, Reporting-Fristen und Remediation-Fällen.

Typische Schritte

  1. 1Rechtsträger oben in der Topbar prüfen.
  2. 2Compliance-Kacheln lesen und offene Warnungen priorisieren.
  3. 3Pay-Gap-Diagramm nach Kategorien prüfen, insbesondere Werte ab 5 Prozent.
  4. 4Anstehende Fristen anklicken oder in das jeweilige Modul wechseln.

Nachweise

  • Dashboard-Screenshots für Management-Updates.
  • Liste offener Fristen und Status der Hauptpflichten.
  • Verweise auf Berichte, Auskunftsfälle und Remediation-Akten.

Häufige Fehler

  • Dashboard-Werte sind nur so gut wie Datenqualität und aktueller Analysezeitpunkt.
  • Ein niedriger Gesamt-Gap ersetzt keine Kategorienprüfung.
  • Unterdrückte Kleingruppen können Risiken verdecken, müssen aber aus Datenschutzgründen geschützt bleiben.
Organisation
Hier werden Rechtsträger, Land, Mitarbeiterzahl, Headcount-Methode, Betriebsratsstatus und anwendbare Pflichten gepflegt.
organization

Wofür nutzen?

  • Festlegen, ob Reporting-Pflichten ab 100, 150 oder 250 Beschäftigten greifen.
  • Abbilden von AT/DE/EU-Profilen und nationalen Mindestkonfigurationen.
  • Nachvollziehen, warum eine Pflicht für den Rechtsträger gilt.

Typische Schritte

  1. 1Name, Land, Mitarbeiterzahl und Adresse kontrollieren.
  2. 2Headcount-Methode festlegen: Kopfzahl, FTE oder Jahresdurchschnitt.
  3. 3Betriebsrat setzen, wenn eine Arbeitnehmervertretung besteht.
  4. 4Pflichtenliste lesen und Fristen in den Arbeitsplan übernehmen.

Nachweise

  • Rechtsträgerprofil mit Land und Mitarbeiterzahl.
  • Rule-Engine-Ergebnis mit aktiven Pflichten und Fristen.
  • Betriebsratsstatus und Headcount-Methode.

Häufige Fehler

  • Falsche Mitarbeiterzahl führt zu falscher Reporting-Frequenz.
  • Nationale Umsetzungsgesetze können die EU-Baseline noch verschärfen.
  • Mehrere Rechtsträger müssen getrennt betrachtet werden, wenn sie separat berichten.
Stellenarchitektur
Die Stellenarchitektur definiert, welche Arbeit gleich oder gleichwertig ist. Sie ist die Grundlage für faire Vergleiche.
jobs

Wofür nutzen?

  • Stellenfamilien, Funktionen und Level strukturiert abbilden.
  • Level mit objektiven Kriterien bewerten.
  • Bewertungsscores für Kategorien gleicher oder gleichwertiger Arbeit erzeugen.

Typische Schritte

  1. 1Stellenfamilie anlegen, zum Beispiel Engineering, Sales oder Operations.
  2. 2Funktionen und Level innerhalb der Familie erfassen.
  3. 3Gehaltsspannen je Level pflegen, sofern vorhanden.
  4. 4Bewertung öffnen und Pflichtdimensionen ausfüllen: Kompetenzen, Belastung, Verantwortung, Arbeitsbedingungen.
  5. 5Bewertung speichern und für Kategoriezuordnung freigeben.

Nachweise

  • Levelbeschreibungen und Grade.
  • Bewertungsdimensionen, Gewichtungen, Scores und Notizen.
  • Versionsstand der Bewertung und Status Entwurf, geprüft oder genehmigt.

Häufige Fehler

  • Unklare Levelbeschreibungen machen Kategorien angreifbar.
  • Soziale Kompetenzen dürfen nicht unterbewertet werden.
  • Bewertungen sollten bei Rollenveränderungen versioniert aktualisiert werden.
Beschäftigtenkategorien
Kategorien gruppieren gleiche oder gleichwertige Arbeit. Sie sind die Vergleichsgruppe für Art. 7, Art. 9 und Art. 10.
categories

Wofür nutzen?

  • Job-Level anhand von Bewertungsscores in Vergleichsgruppen bündeln.
  • Beschäftigte automatisch passenden Kategorien zuordnen.
  • Kategorien mit auffälligen Entgeltlücken identifizieren.

Typische Schritte

  1. 1Kategorien manuell erstellen oder aus Bewertungen generieren.
  2. 2Score-Minimum und Score-Maximum prüfen.
  3. 3Auto-Zuordnung ausführen und unmatched Levels bearbeiten.
  4. 4Kategorie-Größe, Geschlechterverteilung und Gap-Indikator prüfen.
  5. 5Kategorie erst nach fachlicher Prüfung genehmigen.

Nachweise

  • Kategoriebegruendung und Score-Band.
  • Zugeordnete Job-Level und Beschäftigtenzahlen.
  • Genehmigungsstatus und Gap-Indikator.

Häufige Fehler

  • Zu breite Score-Bänder können nicht gleichwertige Arbeit vermischen.
  • Zu enge Kategorien können Datenschutzunterdrueckung auslösen.
  • Kategorien sollten mit Arbeitnehmervertretung abgestimmt werden, sofern vorhanden.
Beschäftigte und Import
Das Workers-Modul verwaltet Personalstammdaten, Job-Level, Kategorie, Aktivstatus und aktuelle Vergütungsdaten.
workers

Wofür nutzen?

  • Mitarbeitende einzeln pflegen oder per CSV importieren.
  • Datenqualität für Auskunft und Reporting sichern.
  • Beschäftigte mit Job-Level, Kategorie und Pay Record verbinden.

Typische Schritte

  1. 1CSV-Vorlage nutzen oder bestehende HR-Datei vorbereiten.
  2. 2Pflichtfelder mappen: Mitarbeiterkennung, Name, Geschlecht, Job-Level, FTE, Standort, Vertragstyp.
  3. 3Vergütungsfelder mappen: Grundgehalt, variable Vergütung, Boni, Zulagen, Sachleistungen und sonstige Komponenten.
  4. 4Validierungsfehler korrigieren und Import ausführen.
  5. 5Nach Import Stichproben in der Detailansicht prüfen.

Nachweise

  • Importprotokoll und Validierungsergebnis.
  • Aktive Worker-Liste mit Kategoriezuordnung.
  • Aktueller Pay Record je Beschäftigtem.

Häufige Fehler

  • Fehlende worker_id-Verknüpfungen verhindern belastbare Art.-7-Antworten.
  • Inaktive oder doppelte Mitarbeitende verzerren Analysen.
  • FTE und Jahreswerte müssen einheitlich interpretiert werden.
Vergütung
Das Compensation-Modul dokumentiert Gehaltsspannen, Vergütungsbestandteile und Kriterien für Entgelt und Entgeltentwicklung.
compensation

Wofür nutzen?

  • Pay Bands je Job-Level verwalten.
  • Grundentgelt und ergänzende oder variable Bestandteile trennen.
  • Kriterien für Entgeltfestsetzung und Entwicklung transparent machen.

Typische Schritte

  1. 1Pay-Band-Tab prüfen und Min/Mid/Max je Level erfassen.
  2. 2Komponenten-Katalog kontrollieren: Base Salary, Bonus, Allowances, Benefits, Equity, Overtime.
  3. 3Kriterien-Tab pflegen: Leistung, Kompetenzen, Seniorität, Marktbezug und Promotion-Regeln.
  4. 4Employee View prüfen, damit Informationen für Beschäftigte verständlich sind.

Nachweise

  • Pay-Band-Tabelle mit Gültigkeit und Währung.
  • Komponentenliste mit objektiver und geschlechtsneutraler Kennzeichnung.
  • Kriterienkatalog für Entgeltentwicklung.

Häufige Fehler

  • Nicht dokumentierte variable Bestandteile führen zu unvollständigen Art.-9-Kennzahlen.
  • Kriterien müssen praktisch angewandt und nicht nur beschrieben werden.
  • Kriterien sollten pro Rechtsträger versioniert und freigegeben werden.
Einstellungs-Compliance
Hiring stellt sicher, dass Stellenanzeigen vor dem Beschäftigungsbeginn Entgelttransparenz und diskriminierungsfreie Verfahren unterstützen.
hiring

Wofür nutzen?

  • Stellenanzeigen mit Entgeltspanne erstellen.
  • Neutral wording und Salary-History-Verbot dokumentieren.
  • Review- und Veröffentlichungsstatus nachvollziehen.

Typische Schritte

  1. 1Neue Ausschreibung anlegen und Job-Level auswählen.
  2. 2Einstiegsentgelt oder Spanne eintragen und Min/Max plausibilisieren.
  3. 3Tarif- oder Kollektivvertragsinformationen im Beschreibungstext ergänzen, wenn relevant.
  4. 4Checkliste bearbeiten: neutrale Berufsbezeichnung, keine Salary-History-Fragen, diskriminierungsfreier Prozess.
  5. 5Zur Prüfung geben und erst danach veröffentlichen.

Nachweise

  • Posting-Version mit Entgeltspanne.
  • Checklistenstatus und Review-Status.
  • Nachweis, dass keine Gehaltshistorie abgefragt wird.

Häufige Fehler

  • Die App kann menschliche Interviewfragen nicht vollständig technisch verhindern.
  • Tarif-/KV-Angaben sollten explizit gepflegt werden, nicht nur im Freitext fehlen.
  • Neutral wording sollte fachlich geprüft werden, bevor eine Anzeige live geht.
Beschäftigtenanfragen
Requests bildet das Auskunftsrecht ab: Eingang, Frist, Zuordnung, Antwortberechnung, Review, Freigabe und Versand.
requests

Wofür nutzen?

  • Art.-7-Anfragen von Beschäftigten erfassen.
  • Zwei-Monats-Frist überwachen.
  • Individuelles Entgelt und Durchschnittswerte der Vergleichsgruppe berechnen.

Typische Schritte

  1. 1Neue Anfrage anlegen und möglichst direkt mit dem Worker-Datensatz verknüpfen.
  2. 2Kategorie, Eingangstag, Verantwortliche und Due Date prüfen.
  3. 3Antwort berechnen lassen.
  4. 4Datenschutzunterdrueckung und Redaction-Hinweise prüfen.
  5. 5Antwort intern reviewen, freigeben und versenden.
  6. 6Nachfragen oder Klarstellungen als Notiz dokumentieren.

Nachweise

  • Anfragedatensatz mit Frist und Status.
  • Generierte Antwortdaten inklusive Redaction-Entscheidung.
  • Review-, Freigabe- und Versandzeitpunkt.

Häufige Fehler

  • Ohne eindeutige Worker-Verknüpfung ist die Antwortberechnung nicht belastbar.
  • Kleine Vergleichsgruppen dürfen nicht zur Offenlegung individueller Entgelte führen.
  • Jährliche proaktive Information über das Auskunftsrecht bleibt organisatorisch zu planen.
Entgeltlücke-Analyse
Analytics berechnet die Kennzahlen für Richtlinien-Reporting und interne Ursachenanalyse.
analytics

Wofür nutzen?

  • Mean- und Median-Gap für Gesamtentgelt berechnen.
  • Grundentgelt und variable Bestandteile separat auswerten.
  • Quartile und Empfängerquoten variabler Vergütung prüfen.
  • Kategorien ab 5 Prozent identifizieren.

Typische Schritte

  1. 1Analysezeitraum auswählen und Analyse starten.
  2. 2Unterdrückte Kategorien prüfen und Datenqualität verbessern, wenn möglich.
  3. 3Kategorien mit absolutem Gap ab 5 Prozent priorisieren.
  4. 4Objektive Rechtfertigungen erfassen oder an Remediation übergeben.
  5. 5Root-Cause-Hinweise lesen, aber rechtlich separat bewerten.

Nachweise

  • Pay-Gap-Metriken je Kategorie und Zeitraum.
  • Quartilverteilung nach Geschlecht.
  • Objektive Rechtfertigungen und Annotationen.

Häufige Fehler

  • Die Root-Cause-Hilfe ersetzt keine rechtliche Rechtfertigungsprüfung.
  • Ein negativer Gap ist ebenfalls ein Entgeltunterschied und wird absolut für Trigger betrachtet.
  • Datums- und Pay-Record-Stände müssen für Berichte eingefroren werden.
Berichtswesen
Reporting erstellt Berichtszyklen, führt Kennzahlen zusammen und erzeugt Exporte für Management, Arbeitnehmervertretung und Behördenvorbereitung.
reporting

Wofür nutzen?

  • Berichtszyklen für Kalenderjahre verwalten.
  • Art.-9-Kennzahlen zusammenstellen.
  • CSV- und printfähige PDF/HTML-Exporte erzeugen.

Typische Schritte

  1. 1Aktuellen Zyklus anlegen oder prüfen.
  2. 2Analyse für den Berichtszeitraum sicherstellen.
  3. 3Berichtsdaten generieren.
  4. 4Management-Freigabe und Arbeitnehmervertretungszugang dokumentieren.
  5. 5Export sichern und im Audit-Trail nachvollziehbar halten.

Nachweise

  • Reporting Cycle mit Status und Due Date.
  • Exportdatei oder exportierter HTML/PDF-Bericht.
  • Freigabe durch Leitungsebene und relevante Review-Historie.

Häufige Fehler

  • Die App bereitet nationale Meldungen vor, ersetzt aber noch keine amtliche elektronische Einreichung.
  • Vorjahreswerte sollten versioniert verfuegbar sein, da bis zu vier Jahre angefragt werden können.
  • Unterdrückte Kategorien müssen im Bericht erläutert werden.
Abhilfemaßnahmen
Remediation verwaltet 5-Prozent-Fälle, objektive Rechtfertigungen, Maßnahmen, Fristen und gemeinsame Entgeltbewertungen.
remediation

Wofür nutzen?

  • Automatisch oder manuell erzeugte Gap-Fälle bearbeiten.
  • Sechs-Monats-Frist nach Reporting beobachten.
  • Maßnahmen und Wirksamkeit dokumentieren.

Typische Schritte

  1. 1Fall öffnen und betroffene Kategorie, Gap und Frist prüfen.
  2. 2Unterscheiden: objektiv gerechtfertigt, in Korrektur, gemeinsame Bewertung erforderlich.
  3. 3Stakeholder einbinden: HR, Compensation, Legal, Betriebsrat oder Arbeitnehmervertretung.
  4. 4Maßnahmen anlegen, Verantwortliche und Due Dates setzen.
  5. 5Timeline pflegen und Dokumente ergänzen.
  6. 6Wirksamkeit nach Umsetzung prüfen und Fall erst dann schließen.

Nachweise

  • Fallakte mit Trigger-Metrik und Kategorie.
  • Begruendung oder Maßnahmenplan.
  • Timeline, Stakeholder, Dokumente und Abschlussbewertung.

Häufige Fehler

  • Art. 10 verlangt drei Bedingungen; ein 5-Prozent-Gap allein ist noch nicht automatisch die vollständige gemeinsame Entgeltbewertung.
  • Wiedereinstieg nach Eltern-, Vaterschafts- oder Pflegeurlaub sollte in der Bewertung ausdrücklich betrachtet werden.
  • Maßnahmen brauchen Wirksamkeitskontrolle, nicht nur Statuswechsel.
Prüfprotokoll
Audit dokumentiert kritische Änderungen, Freigaben, Exporte und Workflow-Ereignisse als Nachweisbasis.
audit

Wofür nutzen?

  • Nachvollziehen, wer wann welche Daten geändert hat.
  • Vorher-/Nachher-Snapshots für sensible Tabellen prüfen.
  • Beweislast- und Kontrollanforderungen organisatorisch unterstützen.

Typische Schritte

  1. 1Nach Zeitraum, Akteur, Aktion oder Ressource filtern.
  2. 2Kritische Ereignisse wie Pay-Record-Änderungen, Berichtsexporte und Fallabschluesse prüfen.
  3. 3Bei Prüfungen relevante Einträge exportieren oder referenzieren.

Nachweise

  • Audit-Event mit Zeitstempel, Akteur, Aktion und Ressource.
  • Vorher-/Nachher-Daten, soweit gespeichert.
  • Filterbare Historie für Berichte, Requests und Remediation.

Häufige Fehler

  • Audit ersetzt keine rechtliche Aufbewahrungsrichtlinie.
  • Nur korrekt konfigurierte Rollen und RLS machen Audit-Daten belastbar.
  • Freitextentscheidungen sollten fachlich klar formuliert werden.
Regelwerk und Einstellungen
Rules und Settings steuern Länderprofile, Schwellenwerte, Berechtigungen, Mandantenwechsel, Integrationen und Daten-Governance.
rules-settings

Wofür nutzen?

  • EU-, AT- und DE-Regeln nachvollziehen.
  • Rollenbasierte Zugriffskontrolle prüfen.
  • Datenmanagement, Integrationen und Governance konfigurieren.

Typische Schritte

  1. 1Regelwerk nach Land prüfen und relevante Schwellenwerte lesen.
  2. 2Rollenmatrix mit tatsächlichen Verantwortlichkeiten abgleichen.
  3. 3Nur Rollen mit Need-to-know Zugriff auf individuelle Entgeltdaten geben.
  4. 4Integrationen und Datenexporte dokumentieren.

Nachweise

  • Länderprofil und aktive Regeln.
  • Rollen- und Rechtekonfiguration.
  • Governance-Entscheidungen für Datenimport, Export und Aufbewahrung.

Häufige Fehler

  • Nationale Umsetzungsgesetze müssen nach Veröffentlichung in Regeln nachgezogen werden.
  • Zu breite Rollen verletzen das Need-to-know-Prinzip.
  • Test- und Demo-Daten dürfen nicht mit produktiven Berichten verwechselt werden.
Zugriff und Verantwortlichkeiten

Rollen, Datenschutz und Need-to-know

Entgeltdaten sind besonders sensibel. Rollen sollten so vergeben werden, dass jede Person nur die Informationen sieht, die sie für ihre Aufgabe wirklich benötigt.

Super Admin

Verwaltet Plattform, Mandanten, Settings und alle Daten. Diese Rolle sollte sehr restriktiv vergeben werden.

Compliance Admin

Führt Pflichten, Analysen, Reporting und Remediation. Braucht Gesamtüberblick, aber nicht zwingend individuelle Entgeltbearbeitung.

HR Manager

Pflegt Beschäftigte, Jobarchitektur, Vergütung und Anfragen. Hat typischerweise Zugriff auf individuelle Entgeltdaten.

Compensation Analyst

Analysiert Pay-Gaps und Datenqualität. Sollte Veränderungen an Stammdaten nur nach Prozessfreigabe vornehmen.

Recruiter

Arbeitet in Hiring. Kein Zugriff auf individuelle Entgeltdaten, Analytics oder Reporting erforderlich.

Legal

Prüft Rechtfertigungen, Reports, Audit und Remediation. Fokus auf Nachweisfähigkeit und Risikobewertung.

Works Council

Sieht aggregierte Berichte und Analysen. Individuelle Entgeltdaten bleiben geschützt, soweit rechtlich nicht anders erforderlich.

Executive

Nutzt Dashboard und Managementberichte. Fokus auf Entscheidungen, Ressourcen, Freigaben und Eskalationen.

Employee

Kann eigene Daten und Auskunftsprozesse nutzen. Kein Zugriff auf andere individuelle Entgelte.

Datenqualität

Welche Daten vor einer belastbaren Analyse stimmen müssen

Die meisten Compliance-Probleme entstehen nicht in der Berechnung, sondern davor: falsche Stammdaten, fehlende Pay Records, unklare Kategorien oder uneinheitliche Vergütungsbestandteile.

Pflichtdaten für Personen
Minimaler Datensatz für Workers und Requests.
  • Eindeutige Mitarbeiterkennung und aktiver Status.
  • Geschlecht für Richtlinienkennzahlen, soweit rechtlich zulässig und korrekt erhoben.
  • Job-Level, Beschäftigtenkategorie, Standort, Abteilung, Vertragstyp und FTE.
  • Hire Date für Senioritäts- und Root-Cause-Analysen.
Pflichtdaten für Entgelt
Minimaler Datensatz für Art.-9-Kennzahlen.
  • Aktuelles Grundentgelt als Jahreswert oder sauber normalisierter Wert.
  • Variable Vergütung, Bonus, Zulagen, Sachleistungen, Equity, Überstunden und sonstige Komponenten.
  • Währung und Gültigkeitsdatum des Pay Records.
  • Trennung von Grundentgelt und ergänzenden oder variablen Bestandteilen.
Pflichtdaten für Nachweise
Minimaler Datensatz für Audit und Verteidigung.
  • Objektive Bewertungskriterien und Gewichtungen je Job-Level.
  • Freigaben für Berichte, Kategorien, Rechtfertigungen und Maßnahmen.
  • Dokumentierte Entscheidung, wenn Kennzahlen unterdrückt oder erklärt werden.
  • Timeline für Auskunft, Reporting, Remediation und Exporte.
Artikel-zu-App-Matrix

Wie Richtlinienpflichten in der App abgebildet werden

Diese Matrix zeigt die wichtigsten Richtlinienartikel und wo Anwender die passende Funktion oder den passenden Nachweis in der App finden.

ArtikelPflichtApp-Abbildung
Art. 3Entgeltbegriff, Mean-/Median-Gap, Quartile, Gruppen von Arbeitnehmern.Pay Records, Compensation Components, Pay-Gap-Computations, Worker Categories.
Art. 4Objektive, geschlechtsneutrale Bewertung gleicher oder gleichwertiger Arbeit.Job-Evaluation-Framework mit Pflichtdimensionen und Kategorie-Builder.
Art. 5Entgeltspanne vor Interview oder in Anzeige, Tarif-/KV-Hinweis, keine Gehaltshistorie.Hiring Postings, Salary Range, Checkliste, Review-Status.
Art. 6Leicht zugängliche Kriterien für Entgelt, Entgelthöhen und Entwicklung.Compensation Criteria, Pay Bands, Employee View.
Art. 7Auskunft über individuelles Entgelt und Durchschnittswerte binnen zwei Monaten.Employee Requests, Worker-Verknüpfung, Antwortberechnung, SLA-Tracking.
Art. 8Informationen müssen für Personen mit Behinderungen zugänglich sein.UI und Export müssen barrierearm genutzt werden; fachliche WCAG-Prüfung bleibt erforderlich.
Art. 9Reporting zu Total Gap, variablen Bestandteilen, Median, Empfängerquoten, Quartilen und Kategorien.Analytics, Pay Gap Metrics, Reporting Export.
Art. 10Gemeinsame Entgeltbewertung bei 5 Prozent, fehlender Rechtfertigung und fehlender Korrektur binnen sechs Monaten.Trigger Detection, Remediation Cases, Timeline, Maßnahmen, Stakeholder.
Art. 12DSGVO, Zweckbindung, Schutz vor Re-Identifizierung.RLS, RBAC, Privacy Suppression, Audit Log.
Art. 18-20Beweislast, Nachweis gleicher oder gleichwertiger Arbeit, Zugang zu Beweismitteln.Audit Trail, Jobbewertungen, Reports, Remediation-Akten.
Art. 34Umsetzung in nationales Recht bis 07.06.2026.Country Profiles, Rule Engine, Fristen und nationale Overrides.
Grenzen und offene Punkte

Was Anwender nicht übersehen dürfen

Die App kann den Prozess stark strukturieren. Trotzdem bleiben fachliche, rechtliche und organisatorische Entscheidungen beim Unternehmen.

Fachliche Grenzen
  • Objektive Rechtfertigungen müssen fachlich und rechtlich belastbar sein.
  • Die gemeinsame Entgeltbewertung nach Art. 10 braucht Abstimmung mit Arbeitnehmervertretungen, soweit vorhanden.
  • Barrierefreiheit und nationale Pflichtformate sollten vor produktiven Behördenprozessen separat geprüft werden.
  • AT/DE-Umsetzungsgesetze können ab 07.06.2026 Details, Sanktionen und Formate konkretisieren.
Gute Praxis
  • Vor jeder Analyse Datenstand einfrieren und Zeitraum dokumentieren.
  • Kategorien und Jobbewertungen mit HR, Compensation, Legal und Arbeitnehmervertretung reviewen.
  • Auskunftsersuchen nicht bis kurz vor Ablauf der Zwei-Monats-Frist liegen lassen.
  • Remediation-Fälle erst schließen, wenn Maßnahmen umgesetzt und Wirksamkeit bewertet wurden.
Kurze Checkliste für den nächsten Arbeitstag
  • Rechtsträger und Mitarbeiterzahl prüfen.
  • Job-Level ohne Bewertung identifizieren.
  • Beschäftigte ohne Kategorie oder aktuellen Pay Record korrigieren.
  • Hiring-Postings auf Entgeltspanne und Salary-History-Verbot prüfen.
  • Offene Auskunftsersuchen mit Due Date priorisieren.
  • Aktuelle Pay-Gap-Analyse ausführen oder Datenlücken schließen.
  • Kategorien ab 5 Prozent Gap für Rechtfertigung oder Remediation markieren.
  • Berichtszyklus und Freigabeprozess für 2027 vorbereiten.

Vom Wissen zur Umsetzung

Das Wiki erklärt die Pflichten. Die Plattform operationalisiert sie.

Entgelt-Transparenz.at übersetzt Richtlinienanforderungen in konkrete Workflows: Datenaufbau, Jobbewertung, Auskunftsersuchen, Reporting, 5-Prozent-Trigger, Remediation und Audit Trail.